In der Regel spiele ich zwar eher Clean mit Twang und SnapBack Delay, jedoch kam letztens mit einem Bandkollegen das Thema Overdrive und Distortion mal wieder hoch und wir waren bei RAT und OCD/OCD Ge. Da ich gerade eh am bestellen war und wir beide keine TubeScreamer-Fans sind, hatte ich mir mutig die JHS PackRat als B-Stock in den Korb gelegt.
Die JHS PackRat vereint neun RAT-Varianten in einem Pedal. Fünf ProCo RAT-Modelle, sowie eine JHS Variante, die Mods enthält, die JHS in den vergangenen Jahren bei Kunden-RATs durchgeführt hatte. Hinzu kommen noch drei externe Schaltkreise von Ibanez, John Landgraff und Caroline Wave Cannon/Phillipe Herndon. Die Schaltkreise werden über zehn interne 9424E Bausteine entsprechend verschaltet, sodass unterschiedliche Kondensatoren und Widerstände in der richtigen Reihenfolge zum Einsatz kommen und die entsprechende Schaltung abbilden. Clever und sehr vielseitig!
Die Schalterstellungen OG (Ursprungs-RAT 1979) und Whiteface (RAT mit weißem Schrifthintergrund 1984) klingen, im Vergleich mit einer ProCo Lil’ RAT sehr sehr gut getroffen. Die Turbo RAT ist mir persönlich etwas zu aggressiv und höhenreich, sodass man bisweilen eher mit Vermeidungsstrategien beschäftigt ist.
Generell, unterscheiden sich die einzelnen Stellungen außer vom Sound, auch in der Wirkrichtung des Filter-Poties und der Lautstärke. Nun könnte man anmerken, das ist ja aber sehr unpraktisch im Livebetrieb. – einerseits ja, andererseits hat ma aber auch neun Varianten in einem Pedalgehäuse und das ist IMHO schon ein Gewinn, zumal ich persönlich die Sensibilität und das dynamische und geschmackvoll vokale Verhalten der Landgraff-RAT schon echt klasse finde! Allein dafür, ist das Pedal gut. Je nach Setup, Instrument, Musik- und persönlichem Spielstil sind die Varianten ein bereichernder klanglicher Farbkasten sein.
Vergleich zur ProCo RAT
Hier würde ich nur die Schalterstellungen THE OG (1979) und WHITEFACE (1984) mit der ProCo Lil RAT vergleichen wollen, da die weiteren ProCo RAT Modelle zu unterschiedlich zur eigentlichen RAT sind. Im direkten Vergleich wirken die PackRat Ergebnisse einen Ticken angenehmer, als die Lil RAT. Jedoch sind beide Schaltpositionen eindeutig als DER RAT-Sound wahrnehmbar, – bRRRrAaachial, reich an Obertönen. Die JHS-Varianten bieten nach meinem Empfindenbei klanglich gleicher Einstellung mehr Sustain und weniger FIZZZZzz in den Höhen, was ich für meinen Teil als besser musikalisch nutzbar finde.
Mein Fazit
Die JHS PackRat ist mit dem gut doppelten Preis deutlich teurer als die aktuelle ProCo RAT, bzw. ProCo Lil RAT. Das ist nicht ohne!
Wenn man die Vielseitigkeit der 9 Schaltungsvarianten und auch den Aufwand dies ohne Modelling zu realisieren, sowie den Umstand ggf. nur ein Pedal normaler Größe zu benötigen betrachtet, ist das durchaus ein Argument für die PackRat.
Die Argumente für die ProCo RAT sind, das ist das Original, sowie der geringere Preis.
Für die JHS PackRat spricht hingegen der typische RAT-Sound, die Variabilität und der kultiviertere Sound bei harmonischerem Sustain. Die im Gegensatz zur ProCo RAT bzw. Lil RAT verschraubten Poties.